Am Ortsrand von Bakuriani werden wir von unserem Fahrer Sura heute für die geplante Wanderung an einem Lost Place ausgesetzt.
Während die bessere Hälfte sich schont und nach einer ausgiebigen Besichtigung der Hotel-Ruine sich zurück ins Dorf orientieren wird, startet der Rest der Gruppe in die erste Wanderung.
Gleich zu Beginn geht es schweißtreibend steil eine Skipiste hoch. Da orientiere ich mich im gleichmäßigen aber langsamen Schritt eines Uhrwerks gleich mal am Ende (warum unnötig Energie verbraten ?) und übernehme die Aufgabe des Lumpensammlers.
Nach einer Weile schwenken wir auf einen Fahrweg und umrunden den Hausberg. Kurz vor dem ersten Sattel kommen ein paar "Einheimische" vom Gipfel und begleiten uns. Wie wir von Megi - unserer Reiseleiterin - erfahren, ist der ältere Herr in Gummistiefeln und altem Jacket Georgier Aserbaidschanischer Abstammung, die häufig in der Viehzucht aktiv sind, und quasi der Clan-Chef, also das Familienoberhaupt, der am Joch lagernden Hirten. Mit seiner ganzen Familie (auf all seine Kinder und Enkel ist er sichtlich stolz) und 5 angestellten Hirten (er ist somit wohlsituiert) verbringen sie den Sommer hier in den Bergen Georgiens, bevor sie im Spätsommer ca. 1 Woche mit ihren Herden in ihre eigentliche Heimat zurück ziehen.
In festen Zelten aus LKW-Planen leben sie hier semi-mobil im Sommer:
Ein paar ihrer Schafe werden gerade im Hintergrund mit der Hand geschoren.
Nach ein paar Minuten und ein paar englischen Worten mit den Jüngeren verlassen wir die netten Hirten und treiben unsere Herde weiter bergauf.
Weil die Hütehunde der Herden wohl manchmal nicht unproblematisch sind, haben wir heute ganz offiziell auch einen einheimischen Hundeverjager dabei - der Stein in seiner Hand bleibt aber ungenutzt.
Am Pfad am Hang entlang im auffrischenden Wind kommt uns statt Hund nur ein Pferd laut wiehernd und schnaubend entgegengaloppiert:
Während unsere Herde zwischenzeitlich - den Hundeverjager in der Haltung imitierend - lagert, können wir nach Überschreitung des Übergangs auf knapp 2.500m ins lange einsame Tal schauen, was nun noch vor uns liegt.
Außerdem können wir verschiedene weiße Wolken an den gegenüberliegenden Hängen beobachten (Schafherden) und dunkle einzelne Flecken in niedrigeren, Wasser-nahen Regionen (Kühe).
Wir durchschreiten die etwas sumpfige Talsohle und dann geht es wieder mit mehr Sonne durch ein Seitental über einen Hügel auf unser Tagesziel zu: Den großen Tabazkuri-Vulkansee auf über 2.000m.
Unser Fahrer wartet an einer Abzweigung außerhalb des von armenischstämmigen Georgiern bewohnten Dorfes und oberhalb des Sees bereits mit der Regierung auf uns.
Mit unserem Gefährt lassen wir es uns vor der langen Rückfahrt nicht nehmen, uns ans Ufer kutschieren zu lassen, um eine Runde baden zu gehen.
Das Wasser ist nicht so kalt wie befürchtet, aber die glitschigen Steine machen das Rein- und Rauskommen spannender als ursprünglich mit den vergessenen Badeschlappen geplant.
Zurück fahren wir dann langwierig über den 2.454m hohen Zchratskaropaß. Kommt einem die Fahrt auf der Schotter-Schlaglochpiste bereits langwierig vor, kratzt die sog. Paßkontrolle an der Paßhöhe an die gefühlte Unendlichkeit der Geduld.
Angeblich wegen der Ölpipeline (verbindet Aserbaidschan und Türkei) muß hier jeder Paß mit Tiflis gegengeprüft werden. Das dauert.
Leider ist der Mensch, dem Fotos unserer Pässe vorab bereits zugemailt wurden, leider nicht da. Die Zeit verinnt.
Irgendwann spekuliere ich über Brieftauben. Die Sonne steht immer tiefer.
Evtl. werden aber auch Lichtsignale von Hügel zu Hügel weitergeleitet. Die Raucher bekommen langsam die Krise, ob die mitgeführten Vorräte ausreichend sind.
Möglicherweise kann sich der einzige der anwesenden paramilitärischen Polizisten der nicht vor der Baracke raucht, telefoniert, mit Einheimschen schwatzt oder am Smartphone rumspielt aber auch nur bei vielen Buchstaben unserer Westeuropäischen Namen nicht entscheiden, in welchen der 33 Buchstaben des Georgischen Alphabets er sie für den Check umwandeln soll. Mein Magen knurrt - höchste Zeit deeskalierende Maßnahmen einzuleiten, denkt sich vermutlich unsere Reiseleiterin:
Sie ruft jemanden in Tiflis an.
Der ruft den Wachposten an.
Wir bekommen Pässe zurück und dürfen passieren.
DerWanderbeauftragte





oiweh, das hat er 2014 auch schon gesagt! :-)
AntwortenLöschenWer ist denn hier so frech ? - Das fragen wir uns schon die ganze Zeit ... ;-)
LöschenDieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenIch bleib dran. Er wird schon noch schreiben
AntwortenLöschenEr würde ja gerne, wenn er denn könnte ...
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